Willkommen in unserem Land! Eine diskurslinguistische Studie zum Thema Flüchtlingspolitik der grünen Parteien in Schweden und Deutschland im Herbst 2015

Die Einwanderungspolitik ist ein Kernthema grüner Politik und sowohl Bündnis 90/Die Grünen als auch die schwedische Umweltpartei Miljöpartiet de Gröna haben sich als migrationsliberale Parteien profiliert. Im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen (2013) heißt es beispielsweise: „Wer GRÜN wählt, erleichtert die Einwanderung, Einbürgerung und schützt Flüchtlinge.“ Bei den schwedischen Grünen liest man im Wahlmanifest (2014) unter anderem: „Vi kommer alltid att arbeta för en mer human och öppen politik och vi kommer aldrig att göra det svårare för människor att komma till Sverige.” Mit der jüngsten Flüchtlingskatastrophe wurde das Programm der Juniorpartnerin der derzeitigen rot-grünen Regierung realpolitisch auf die Probe gestellt. Im November 2015 hat die Umweltpartei eine Asylentscheidung mitgetragen, mit der die bislang restriktivste Flüchtlingspolitik der schwedischen Geschichte eingeläutet wurde. In Deutschland konnte Bündnis 90/Die Grünen während der Flüchtlingskrise stattdessen als Oppositionspartei agieren.

Im Fokus des Vortrags steht der Flüchtlingsdiskurs des Herbsts 2015, wie er von den grünen Parteien in Deutschland und Schweden geführt wurde. Analysiert werden repräsentative Diskursfragmente, um äquivalente bzw. abweichende Strukturen herauszuarbeiten. Der Beitrag orientiert sich theoretisch-methodisch an der kontrastiven Diskurslinguistik, die sich zum Ziel setzt, Diskurse aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturgemeinschaften zu analysieren und zu vergleichen. Durch die Analyse und Gegenüberstellung der jeweiligen diskursiv erzeugten Werte und Denkmuster soll die gesellschaftliche Einstellung einer Gemeinschaft gegenüber einem bestimmten Thema zu einer bestimmten Zeit erschlossen werden.

 

Charlotta Seiler Brylla ist Sprachwissenschaftlerin und seit 2009 Universitätslektorin für Deutsch an der Universität Stockholm. Sie arbeitet zum politischen Gebrauch von Sprache, zu begriffsgeschichtlichen Fragestellungen und hat sich bereits in mehreren Projekten mit den Beziehungen zwischen Schweden und Deutschland beschäftigt. Derzeit forscht sie zur politischen Kommunikation der grünen Parteien in Deutschland und Schweden.