Am Freitag, dem 25. September, hält Prof. Dr. Cora Dietl (Justus-Liebig-Universität Gießen) einen Vortrag über Wolfgangs Waldungs Schuldrama Catharinae Martyrium.
Die Veranstaltung wird von 10.30 bis 12.00 Uhr auf dem Campus Frescati, in Haus F, Raum 363 stattfinden. Der Vortrag wird auf Deutsch gehalten, die anschließende Diskussion darf gerne auch auf Englisch mitgestaltet werden.

Abstract:
Eine lutherische Stadtheilige im Nürnberger Schultheater: Wolfgangs Waldungs Catharinae Martyrium
Die im Humanismus gefeierte Heilige Katharina, Schutzpatronin der Artistenfakultäten, erfuhr im Zeitalter der Reformation einen bemerkenswerten Wandel: Sie wurde zu einer „katholischen“ Heiligen, die den Spott protestantischer Tendenzdichtungen wie des Regnum papisticum des Thomas Naogeorg (1553) auf sich zog. Verstärkt hat die konfessionelle Frontstellung zur Hl. Katharina sicherlich noch das 1556 in Antwerpen erschienene Katharinendrama des niederländischen Jesuiten Gregorius Honorius. Es strahlte auf eine Reihe von jesuitischen Katharinendramen aus. Eine entschiedene Gegenposition zu dieser katholischen Vereinnahmung Katharinas nimmt Wolfgang Waldung, Lehrer für Latein und Griechisch an der Nürnberger Academia Altorfina, in seinem Catharinae Martyrium (1562) ein. Dieses lateinische Schuldrama gilt als außerordentlich selbstständig, denn anders als andere lutherische Dramenautoren nimmt er nicht einfach ein Jesuitendrama und protestantisiert es, vielmehr scheint es für seine Tragödie keine direkte Vorlage zu geben; Waldung ließ sich offenbar von verschiedenen Seiten inspirieren. Das macht das Drama umso interessanter und es verdiente schon lange eine eingehende Analyse. Der Vortrag kann nur einen Ausschnitt dessen bieten. In ihm geht es um folgende drei Fragen:
(1) Wie gelingt es Waldung, aus der „katholischen“ Heiligen eine dezidiert lutherische Heilige zu machen?
(2) Wie verortet er seine Catharina in der Nürnberger Tradition der Katharinenverehrung?
(3) Welche Bedeutung haben hierbei die Teufel, denen Waldung eine für ein protestantisches Stück geradezu exzessive Rolle zugesteht?

Prof. Dr. Cora Dietl ist W3-Professorin für deutsche Literaturgeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit mediävistischem Schwerpunkt: In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit der höfischen Literatur des Mittelalters (vor allem der Artusliteratur), mittelalterlicher deutscher Literatur im östlichen Europa sowie mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Dramen