Im Jahr 2005 wird ein Manifest in den deutschen Medien veröffentlicht, das zur Ausübung des relevanten Realismus anregen soll, jedoch nicht richtig erhört wird: Das Manifest zerfalle in seiner Vagheit. Außerdem – so der generelle Antworttenor – müsse Literatur nichts und dürfe alles. Obwohl es in den darauffolgenden Jahren Versuche gibt, die kritische Seite der Literatur nach 1989/90 aufzuzeigen, ruft der österreichische Schriftsteller Franzobel bei der Eröffnungsrede der Tage der deutschen Literatur 2017 zu einem „beseelten“ Engagement der Literatur auf. Aber auch dieser Appell prallt an den Ohren des Publikums ab: Es besteht offenbar noch immer der Konsens, dass Literatur nichts müsse und somit auch Selbstzweck sei. Und trotzdem scheint sie zu handeln: Während des letzten Jahrzehnts sind im deutschsprachigen Raum literarische Texte erschienen, die dem Leitsatz „Literatur muss nichts“ zu folgen scheinen und es selbst im 21. Jahrhundert, schaffen, aus dem Rahmen des Üblichen zu fallen: sprachlich-stilistisch, inhaltlich, formal oder strukturell. Das Textkorpus der vorliegenden Dissertation sind fünf solche Texte: So ist das von Stephan Groetzner, Verbannt! von Ann Cotten, Bot – Gespräch ohne Autor von Clemens Setz, Statusmeldungen von Stefanie Sargnagel sowie Der 3 Punkte Plan von Lisa Eckhart. Ungeachtet der Befolgung des Leitsatzes, enthalten die Texte kritische Momente, denn sie greifen auf eine (ver)störende, von widersinnigen Spielmomenten durchlaufene Komik zurück. Widersinnig sind die Spielmomente insofern, als sie, auf Irritation angelegt, sich der Logik und damit der Vernunft entziehen. Sie sind ordnungssprengend, nicht nur, weil sie Auswirkungen auf die Rezeption der Texte haben, sondern auch, weil sie gerade wegen des Widersinns als Widerstand dienen könnten. Das Hauptaugenmerk der Dissertation wird darauf liegen, einen Einblick in den Widersinn der Spielmomente einer Auswahl jüngster deutschsprachiger Literatur im gegenwärtigen Kontext zu gewähren und sein kritisches Gewicht zu hinterfragen. Dabei geht es ebenso um die Beantwortung der Frage, ob die angeblich fehlende Kritik der Gegenwartsliteratur in ihrer Komik gefunden werden kann.